Was Winnie bisher sah...


Hier die Sichtungsberichte meiner Kometen 31 bis 40 (März 2006 bis Juli 2007).

C/2005 L3 McNaught

C/2005 L3 - Juli 2007

Kurz nach Mitternacht am Morgen des 19.7.2007 bin ich mit dem 8"-Dobson auf die Suche nach diesem lichtschwachen Kometen gegangen. Nach einem Bericht sollte L3 etwas schwächer als +13 m sein, was natürlich eine extreme Herausforderung für einen Achtzöller darstellt. Da in dieser Nacht aber sehr gute Sichtbedingungen bis herunter an den Horizont herrschten, machte ich mich dennoch auf die Suche.
Ausgehend vom Kugelsternhaufen M14 im Schlangenträger (Ophiuchus) war das Zielgebiet recht schnell gefunden. Um allerdings etwas vom Kometen erkennen zu können, mußte ich ziemlich hoch vergrößern: 143fach. Zunächst deutete sich bei indirektem Sehen nur etwas Nebliges an, dann aber bei mehrfachen Durchläufen durch das Gesichtsfeld war ich mir sicher, die sehr kleine, aber kompakte Kometenwolke (um 1') entdeckt zu haben. Ich hatte wirklich Glück mit den Bedingungen in dieser Nacht, so einen schwachen Kometen überhaupt wahrnehmen zu können. Leider blieb es bei dieser einen Beobachtung.

C/2006 VZ13 LINEAR

C/2006 VZ13 - Juni/Juli 2007

Die Bedingungen in den frühen Morgenstunden des 19.06.2007 waren alles andere als gut: Zwei Tage wor Sommeranfang, also "Zeit der hellen Nächte" mit nur einer knappen Stunde maximaler Dunkelheit und dazu noch viel Dunst in der Luft. Dementsprechend schwierig war es auch, VZ13 im Sternbild Eidechse (Lacerta) aufzuspüren.

VZ13 saß auch noch auf einem +11,2 m hellen Stern, was die Sache noch schwieriger machte. Dieser Stern war der einzige, der sich mit einer kleinen Nebelwolke drumherum verriet. :-) Eine gute Stunde später hatte sich der Komet aber so weiterbewegt, daß ich ihn besser im 8"-Dobson bei 67fach erkennen konnte. Aufgrund der miesen Bedingungen schätzte ich LINEAR nur auf ca. +11 m und 2' Durchmesser - obwohl er laut anderer Berichte schon eine Größenklasse heller sein mußte.

Die zweite Sichtung datiert vom 29.6.: VZ13 stand nur wenig entfernt von Alpha Cephei, was das Auffinden bei nahezu Vollmond und starker Himmelsaufhellung durch leuchtende Nachtwolken sehr erleichterte. Im 3"-Newton bei 50fach war nur ganz schwach ein Schimmer von der Kometenwolke indirekt zu erahnen. Besser sah die Sache im 8"-Dobson bei gleicher Vergrößerung aus: Mir fiel die doch recht große Kometenwolke sofort auf. Deutlicher kam sie dann bei 67fach raus. Grob geschätzt hatte LINEAR in der Nacht +9,0 bis +9,2 m Helligkeit.

Nach einer Schlechtwetterphase gelang die nächste Sichtung am Morgen des 9. Juli nahe Zeta Draconis. VZ13 erschien im Achtzöller jetzt wesentlich heller, besser konzentriert und auffällig: Helligkeit um +7,8 m, Durchmesser gut 8', DC bei 5. Die schnelle Bewegung der Kometenwolke war deutlich. Selbst im 60/700 mm-Refraktor bei 28facher Vergrößerung war der Komet leicht zu finden.

Den weiteren Juli hindurch habe ich VZ13 in mehreren Nächten immer wieder beobachten können, u.a im 120/600er und auch 50/600er Refraktor. Zeitweilig fiel mir sogar ein kleiner Schweifansatz auf. Die Kometenhelligkeit blieb die ganze Zeit recht konstant bei +7,5 bis +8 m, der Durchmesser bei 8-10'. In der Nacht vom 22. auf den 23.7. zog VZ13 in weniger als 0,5° am Kugelsternhaufen M3 (Jagdhunde) vorbei, was sehr schön im 120er Refraktor (60x und 84x) zu beobachten war, obwohl die Durchsicht z.T. lausig war.

Am späten Abend des 29.7. hatte ich den letzten Blick auf den Kometen, der inzwischen das Sternbild Junfrau (Virgo) erreicht hatte. Im 120er Refraktor bei 40- und 60fach war die Kometenwolke nur noch schwach zu erkennen. Weniger als 20° Horizonthöhe und der Vollmond taten sein übriges. Helligkeit des Kometen weiterhin bei etwa +8 m. (VZ13 zog danach weiter Richtung Horizont auf den Südsternhimmel).


C/2007 E2 Lovejoy

C/2007 E2 - Karte Apr. - Mai 2007 Erst einen Monat zuvor von einem australischen Amateur mit einer Canon-EOS 350D und 200 mm-Objektiv entdeckt, kam Komet Lovejoy ab Mitte April über den heimischen Horizont.
Erstmals sichten konnte ich ihn am Morgen des 19.4.2007 kurz vor Dämmerungsbeginn. Obwohl der Komet sich im Bereich von +8 m aufhalten sollte, war die Sichtung im 120 mm-FH so horizontnah bei nicht optimalen Bedingungen nicht ganz einfach. Dennoch - binnen einer Stunde konnte ich die schnelle Eigenbewegung von E2 erkennen (60x), der Komet selbst war etwa 3' groß.

Zwei Nächte später gegen 3 Uhr erneute Beobachtung mit derselben Ausrüstung: Diesmal waren die Bedingungen eher als lausig zu bezeichnen. Der Komet stand nahe Delta Aql (Adler), war mit 120 mm aber mehr zu erahnen als zu sehen.

Am Morgen des 26. dagegen bot sich gegen 2 Uhr trotz Mond am Himmel ein ganz anderer Anblick! Diesmal kam der der Lidl-/Skylux-Refraktor 70/700 mm zum Einsatz, Vergrößerungen 35- und 57fach. Lovejoy stand einige Grad oberhalb von Zeta Aql (aber bereits im Herkules), er war in der Zeit seit der letzten Beobachtung in fünf Nächten gut 20 Grad vorangekommen. Geschätzte Helligkeit: ca. +8 m, Durchmesser 5-6', DC 3-4, wobei der Komet oval erschien. Innerhalb einer Stunde war wieder die deutliche Eigenbewegung sichtbar.

In den frühen Morgenstunden des 6. Mai konnte ich den Kometen sowohl im 3"- als auch im 8"-Newton beobachten. Lovejoy stand schon hoch am Himmel in den nördlichen Bereichen des Herkules, unweit vom Kopf des Drachen. Die Sichtung gelang gut im Dreizöller bei 25x und mit 50x im Achtzöller. Geschätzte Helligkeit des Kometen: +9,0 m, Durchmesser ca. 4'.


C/2007 E1 Garradd

C/2007 E1 - April 2007

Gesichtet habe ich E1 am späten Abend des 6. April mit dem FH-120 mm bei 86facher Vergrößerung. Da der Komet zu der Zeit etwa +11,5 m hell sein sollte, ein recht schwieriges Unterfangen. Mit indirektem Sehen konnte ich die Lichtwolke aber dennoch erkennen. Knapp anderthalb Stunden später unter nicht mehr ganz so gutem Himmel gelang mir die Bestätigung der Sichtung im 8"-Dobson bei 67- und 100fach. Die Kometenwolke schien hier ziemlich ausgedehnt, aber ohne merkliche Zentralaufhellung - auffällig dagegen die schnelle Eigenbewegung dieses Kometen.
(Anmerkung: Wie ich etwas später herausbekam, war der Komet visuell in besagter Nacht etwa +9,1 m hell, allerdings sehr diffus (DC=1). Das zeigt, daß ich den Himmel doch etwas überschätzt hatte.)

Die nächste Gelegenheit, Garradd zu beobachten, ergab sich an den drei Abenden vom 12. bis 14. April unter einem +6,3 m-Himmel beim AFT 2007. Der Komet war nun leicht mit dem Achtzöller bei 50fach auszumachen, bei gleicher Vergrößerung auch im 4"-FH mit indirktem Sehen. Helligkeit um +10 m, Durchmesser ca. 8-10'. Die schnelle Eigenbewegung des Kometen fiel auf, insbesondere als am 14./15. eine schwache +13 m-Galaxie im Löwen von E1 zunächst bedeckt wurde, und der Komet sich dann weiterbewegte.

Am Abend des 20. ergab sich nochmal die Gelegenheit zur Beobachtung mit dem 120er FH. Der Komet stand nahe Alpha Cnc und dem Sternhaufen M67 im Sternbild Krebs. Die Bedingungen waren eher suboptimal, Garradd nur mäßig zu erkennen: Sehr diffus, Helligkeit wohl knapp unter +10 m.


C/2006 L1 Garradd

C/2006 L1 - Nov. 2006 bis feb. 2007

Dieser Komet tauchte im November 2006 am Morgenhimmel auf und bewegte sich in den folgenden Wochen schnell über den Himmel. Im Dezember wurde Garradd dann zirkumpolar und stand Mitte des Monats nahezu im Zenit. Bedingt durch schlechtes Wetter gelang es mir erst zu dieser Zeit, ihn sicher zu beobachten. Am späten Abend des 16.12. konnte ich den Kometen mit dem 8"-Dobson (50fach) im Fuhrmann (Auriga) sichten. Die etwa +9,5 m helle Kometenwolke war ziemlich deutlich auszumachen, obwohl der Himmel ansonsten recht schlecht war. Eine leichte Verdichtung zum Kometenkern konnte ich blickweise erkennen, Durchmesser des Kometen etwa 4-5'. Innerhalb einer halben Stunde war die hohe Eigenbewegung deutlich zu sehen.

C/2006 M4 SWAN

C/2006 M4 - Sept. bis Nov. 2006

Mitte September 2006 tauchte dieser Komet am nördlichen Sternhimmel auf. In den folgenden zwei Wochen habe ich insgesamt dreimal versucht, SWAN am Abendhimmel mit dem Fernglas aufzufinden, leider ohne Erfolg, da die horizontnahen Sichtbedingungen jedesmal zu schlecht waren.

Am Abend des 30. September konnte ich den Kometen endlich im NW mit dem 15x70-Fernglas sichten. Er zeigt sich erfreulich hell mit einem klaren Kern und einer kreisrunden Koma. Im FH 120/600 bei 40fach sah ich dann noch einen kleinen Schweifansatz, vielleicht 10-15' lang. M4-SWAN war auch im Lidl-Refraktor 70/700 leicht bei 35fach auszumachen. Die Kometenhelligkeit schätzte ich auf +6 m, vielleicht auch etwas heller - schwierig gegen den aufgehellten Dämmerungshimmel.

Am 4. und 7. Oktober hatte ich mehr Glück mit dem Himmel. Komet SWAN hatte jetzt ausreichend Horizonthöhe, so daß ich ihn im 15x70 FG, 70er Lidl- und dem 120er Refraktor sehr gut beobachten konnte. Geschätzte Helligkeit um +5,5 m, sehr heller, weißer Kern (sieht wie eine kleine Planetenscheibe aus), runde Koma und ein Gasschweif von gut 0,5° Länge. Der Komet und Alpha CVn (Cor Caroli, Jagdhunde) standen am Abend des 7.10. zusammen im Gesichtsfeld des Fernglases.

An den Abenden des 16. und 17.10. konnte ich SWAN nach 10 Tagen Pause wiedersehen, diesmal stand der Komet nahe Gamma im Bärenhüter (Bootes). Ein sehr schöner Anblick in jeder Optik - 6x30-Sucher, 60 und 120 mm Refraktor. Kometenhelligkeit etwa +6 m, der Gasschweif war bis zu 0,75° mit der großen Optik zu sehen. Sehr gute Durchsicht.

In der Nacht vom 24. auf den 25.10. hatte SWAN einen Lichtausbruch erfahren, und kurz vor Mitternacht hatte ich noch Glück, ihn in der Nördlichen Krone zu erwischen. Helligkeit mindestens +4,5 m, wenn nicht noch mehr, kleiner heller Kern, umgeben von einer großen, weißen Koma. Im 15x70er FG ein herrlicher Anblick, im 120er Refri einfach nur super! :-) Der Schweif war aufgrund der geringen Horizonthöhe kaum zu erkennen, aber das machte die helle Koma alles wieder wett.

Die Helligkeit des Kometen ließ in der folgenden Woche wieder nach. Am Abend des 1.11. war SWAN gut +5,7 m hell, Durchmesser um 7', der Ionenschweif ließ sich ein Grad weit verfolgen (120 mm Refraktor, 40fache Vergrößerung).

Die nächsten Sichtungen gelangen erst wieder am 12. und 13. November nach der Vollmondzeit. Im 60 mm-Kurzrefraktor (28x, 42x) war SWAN nur als Objekt von +6,5 m - oder schwächer - erkennbar. Die Kernregion nicht mehr so ausgeprägt wie bei den letzten Beobachtungen, die Koma dagegen um die 10' groß und versehen mit einer kleinen Ausbeulung - wahrscheinlich der Ansatz vom Staubschweif. Einen Abend später (13.) stand der Komet nur gut 15° hoch über dem Westhorizont, und im 70/700er Refraktor (35x) war die Kometenwolke im leichten Horizontdunst nicht mehr auf den ersten Blick zu sehen. Standort des Kometen jetzt an der Grenze vom Herkules zum Adler.

Als SWAN dann im Adler stand, hatte ich noch mehrfach am Abendhimmel die Gelegenheit, ihn zu sichten (17./18./21. Nov.). Der Komet hob sich im 70er Refraktor (35x) aber nur noch schwach vom dunstigen Himmel ab, geschätzte Helligkeit +7,5 bis +8 m mit weiter abnehmender Tendenz. Auch im 120er Refraktor war SWAN kein übermäßig auffälliges Objekt mehr (30x, 40x).

Am Abend des 26. Nov. bei hervorragenden Bedingungen konnte ich SWAN noch einmal mit dem neu erworbenen 80/910 mm Refraktor sehen. In dieser Optik hob sich der Komet gut vom Himmelshintergrund ab, obwohl seine Helligkeit etwa bei +8,5 m lag (45fach).


4P/Faye

4P - Sept. 2006 bis Jan. 2007

Den Kometen Faye habe ich das erste Mal in der Nacht vom 13. auf den 14. September 2006 gesichtet. In meinem 120er Kometensucher fiel die kleine (2-3'), länliche Kometenwolke ziemlich gut auf bei Vergrößerungen von 60- und 86fach - trotz Mondlicht. Das Zielgebiet war nicht weit entfernt von den Hauptsternen im Widder (Aries), also schnell auszumachen. Die Kometenhelligkeit schätzte ich auf +11 bis +11,5 m.

In den zwei bzw. vier Nächten danach konnte ich 4P wieder im 120er Refri sichten, beide Male recht hart an der Grenze zur Erkennbarkeit. Geschätzte Helligkeit zwischen +10,5 und +11 m, insgesamt noch schwierig bei dieser Teleskopgröße.

Am Abend des 1.11. konnte ich Faye noch einmal im Mondlicht und starkem Wolkenzug sichten. Er erschien sehr klein, Helligkeit grob geschätzt um +10 m. Der Komet stand in der Nähe von Alpha Psc im Sternbild Walfisch (Cetus).


177P/Barnard 2

177P - Juli / Aug. 2006 Dieser Komet wurde bereits im Jahr 1889 vom berühmten US-amerikanischen Astronomen und Kometenjäger E.E. Barnard entdeckt. Auf den Monat genau 117 Jahre später kam 177P wieder in Sonnenähe und wurde am 23. Juni 2006 vom LINEAR-Projekt aufgestöbert.

Im ersten Julidrittel 2006 dümpelte 177P noch bei +13/+14 m umher, doch Mitte Juli wurde von einem merkbaren Helligkeitszuwachs berichtet. In den frühen Morgenstunden des 16.7. konnte ich daraufhin diesen Kometen das erste Mal mit dem 8"-Dobson (100x) sichten. Die Bedingungen waren gerade noch ausreichend (Mond und Dunst) und es brauchte schon seine Zeit, daß ich mir bei der Sichtung sicher war. Geschätzte Kometenhelligkeit (unsicher wg. Streulicht): um +12 m.

24 Stunden später waren die Sichtbedingungen über Kiel deutlich besser (Milchstraße gut trotz Mondlicht), und diesmal gelang auch die Beobachtung im Sternbild Schlangenträger (Ophiuchus) mit weniger Anstrengung. Erkennbar war eine diffuse Lichtwolke bei einer Helligkeit um +11 m bei Vergrößerungen von 67- und 100fach.

Am 22.7. gegen ein Uhr morgens konnte ich 177P im 4" f/10 Refraktor bei 40- und 50facher Vergrößerung sichten. Das ging trotz stark aufgehellten Himmelshintergrund. Der Komet hatte zu der Zeit eine Helligkeit von ca. +9 bis +9,5 m, Sternbild Hercules nahe Alpha Her.

Am 24.7. morgens gelang mir die äußerst grenzwertige Sichtung im FH 70/700 mm (Lidl) bei 35facher Vergrößerung. Die schwächsten im Teleskop sichtbaren Sterne hatten +11 m.

Am Morgen des 3.8. war 177P dagegen gut im Lidl-FH zu erkennen (35fach), ebenso im FH 120 mm (30fach). Der Komet hatte nun den Kasten des Herkules erreicht und zeigte jetzt eine bessere Konzentration zur Mitte der Lichtwolke. (Helligkeit um +8,5 m).

Auch Anfang bis Mitte September war 177P noch gut zu erkennen. Sichtungen gelangen mir u.a. mit meinem 6" f/5, als auch mit dem 3"-Newton. Der Komet hielt sich mittlerweile hoch am westlichen Himmel im Drachen auf, Helligkeit weiterhin um +9 m. Ab Oktober wurde 177P dann immer unscheinbarer und war kein lohnendes Objekt mehr.


41P/Tuttle-Giacobini-Kresak

41P - Mai bis Juli 2006

Am Abend des 23. Mai 2006 kurz vor Mitternacht konnte ich diesen Kometen mit dem FH-120 bei 86fach im Sternbild Krebs (Cancer) ausmachen. Die Beobachtung erfolgte recht tief am Westhimmel, aber dank der sehr klaren Luft nach einem Regentag war es doch möglich, die kleine, runde Nebelwolke von 41P zu erwischen. Geschätzte Helligkeit etwa +11,5 m. Der Komet stand nicht weit entfernt von M44 und Saturn.

Eine weitere Sichtung ergab sich am 1. Juni kurz vor Mitternacht. Im 120er FH war der Komet wegen hellen Himmels nur sehr schwer auszumachen.


73P/Schwassmann-Wachmann 3

73P/SW 3 - März - Mai 2006

73P kann man sicher als "kometarisches Großereignis 2006" bezeichnen, da dieser Komet in mehreren Dutzend Fragmenten auf seiner Bahn unterwegs war und der Erde Mitte Mai 2006 bis auf 10-12 Mio. km nahe kam. Auf der Karte sind die beiden hellsten Komponenten C (untere Bahn) und B (obere Bahn) eingetragen.

In der Nacht vom 21. auf den 22. März 2006 legte ich mich also auf die Lauer, da ich gelesen hatte, daß die hellere Komponente C bereits in Reichweite einer 8"-Optik lag. Zuerst versuchte ich es im Zielgebiet nahe Arktur (Alpha Bootis) mit meinem 120er Kurzrefraktor, doch - nichts!?! Ich ließ mich nicht entmutigen und beobachtete mit dem 8"-Dobson unten aus dem Garten weiter. Mittlerweile war mir ein Licht aufgegangen, daß ich mit dem Refri die schwächere Komponente B eingestellt hatte, ich Depp! ;-)
Mit dem Dobson war's dann kein Problem, das hellere Bruchstück zu erkennen. Bei 67fach zeigte sich C als diffuser, länglicher Fleck mit deutlich zentraler Aufhellung. Geschätzte Helligkeit um +11,2 m. Von 73P-B war aber auch im Achtzöller in dieser Nacht noch nichts zu sehen.

Genau eine Woche später konnte ich 73P-C mit dem FH 120 mm sichten. Der Komet war mittlerweile so hell, daß die nebelige Wolke (ca. +10,3 m) ohne Dunkeladaption zu sehen war. Ich schätzte den Kometen recht groß, um 4'. Die Sichtung gelang bei 86fach, später auch bei 60- und 40fach. Von Komponente B war noch nichts zu erkennen.

In der Nacht vom 4. auf den 5. April war es mir möglich, die Fragmente B und C mit dem 120er FH zu beobachten. die Helligkeit des Hauptstücks C hatte auf ca. +9,5 m zugenommen. Das Bruchstück B hatte ein, zwei Nächte zuvor einen Helligleitsausbruch um 2 Größenklassen erfahren und war nun mit ca. +9,3 m heller und leichter zu sehen als C. Eine Nacht später boten beide Fragmente schon einen schönen Anblick: B konzentrierter als C und beide mit einem schwach erkennbaren Schweifansatz trotz störendem Mondlicht.

In der Nacht vom 17./18.4. hielt ich das erste Mal mit meinen kleinen FH 60/415 mm auf die beiden Kometenteile. Es war zwar kein Mond am Himmel, aber die Bedingungen durch Dunst und ziehende Wolken waren trotzdem nicht optimal. Nach einer Zeit der Adaption konnte ich 73P-C bei 24fach sichten und auch direkt halten. Fragment B war danach um einiges schwieriger, und es dauerte eine Weile, bis er indirekt sichtbar wurde. Helligkeitsschätzung: (C) +8,5 m, (B) 9,3 m.
Danach kam der FH-120 zum Einsatz: Bereits bei geringer Vergrößerung (24x) war C sicher auszumachen, sogar mit einem kleinen Schweifansatz. Komponente B hatte seit dem Helligkeitsausbruch zwei Wochen zuvor deutlich nachgelassen und erschien mir jetzt nur noch langgestreckt diffus ohne deutlichen Kernbereich (60x).

In der Neumondnacht vom 27./28. April stellte ich im heimischen Garten meine 6" und 8"-Dobsons auf. Der Himmelshintergrund war zwar durch Streulicht und Dunst aufgehellt, die Kometenbruchstücke C und B dennoch gut erkennbar. Fragment C besaß einen ausgeprägten Kern und einen breit aufgefächerten Schweifansatz. Die Helligkeit schätzte ich auf +8 m, vielleicht auch heller (unter Landhimmel).
Komponente B hatte einige Tage vor dieser Beobachtung eine Kernteilung durchgemacht. Entgegen meiner Sichtung 10 Tage vorher war nun wieder ein deutlicher Kernbereich zu erkennen, gefolgt von einem helleren diffusen Bereich, der dann in den langgestreckten Schweifansatz überging. Bei indirektem Sehen im Achtzöller (67x und 100x) konnte ich schon den abgetrennten Bereich hinter dem Kern mit deutlicher Lücke wahrnehmen. Sehr eindrucksvoll, diese Veränderung im Aussehen in nur wenigen Tagen! Da Komponente B recht leicht zu sehen war, schätzte ich sie auf heller als +9 m - dabei aber kleiner als C.

Die nächste Beobachtung datiert vom frühen Morgen des 4. Mai, Beobachtung mit 10x50 FG und 8"-Dobson aus dem heimischen Garten, aufgehellter Himmel durch Dunst und Mondlicht. Besonders interessant war in dieser Nacht die Begegnung der B-Komponente mit M13 im Herkules. Im Fernglas ein schöner Anblick, wie auch die C-Komponente, die weiter südöstlich stand.
Im Dobson bei höheren Vergrößerungen (100-200fach) fiel mir eine Aufhellung nahe des B-Kerns auf. Wie sich später herausstellte, hatte B kurz vorher wieder eine Teilung durchgemacht. Die Helligkeitsschätzung fiel schwer wegen der Sichtbedingungen, beide Komponenten lagen so um +6 bis +6,5 m, 73P-C mit Schweif von vielleicht 1° Länge.

In den Nächten des 8. und 9. Mai war der Himmel trotz starken Mondlichts sehr klar, so daß es mir gelang, Komponenet B sogar mit bloßem Auge in der Leier nahe Wega zu erkennen. Dieses Fragment hatte wieder einen Ausbruch erlitten und war wie Anfang April wieder deutlich heller als C. Letzterer nahm nun in der Helligkkeit immer weiter an, der Schweif war im FG 10x50 kaum noch zu erkennen (Sternbild Schwan nahe Albireo). Während B sich also im +5 m Bereich befand, ging C sicher unter die +7 m-Marke. B hatte nun eine runde Koma, hellen Kern und nur noch ein spitzer Ionenschweif war im 8"-Dobson sichtbar.

Am 10. Mai hatte ich 73P-B noch kurz im 4"-Refraktor im Bild, dann aber schon unter schlechten Bedingungen. Die C-Komponente war nur noch schwer mit dem 15x70 FG im Horizontdunst auszumachen. Der Komet geriet in der zweiten Maihäfte am Morgenhimmel außer Sicht.


Kometen 21-30
C/2006 A1 Pojmanski, C/2005 E2 McNaught, C/2005 P3 SWAN, 161P/Hartley-IRAS, C/2005 K2 LINEAR,
9P/Tempel 1, C/2004 Q2 Machholz, 78P/Gehrels 2, C/2004 Q1 Tucker, C/2001 Q4 NEAT

Kometen 11-20
C/2003 K4 LINEAR, C/2004 F4 Bradfield, 43P/Wolf-Harrington, C/2002 T7 LINEAR, 2P/Encke,
C/2002 Y1 Juels-Holvorcem, C/2001 HT50 LINEAR-NEAT, C/2002 V1 NEAT, C/2002 X5 Kudo-Fujikawa,
C/2001 RX14 LINEAR

Die ersten 10 Kometen
C/2002 O6 SWAN, C/2002 O4 Hönig, C/2002 F1 Utsonomiya, 153P/Ikeya-Zhang, C/2000 WM1 LINEAR,
C/2001 A2 LINEAR, C/1999 S4 LINEAR, C/1995 O1 Hale-Bopp, C/1996 B2 Hyakutake, 1P/Halley


Heimatseite - ePost - Impressum