Kometen jagen


Ein kleiner Leitfaden zur Kometenbeobachtung und -suche

Eines vorneweg: Kometen kann man im Prinzip mit jeder Art von Teleskop beobachten. Wer sich doch ein bischen intensiver mit der Kometensuche befassen möchte, sollte sich vielleicht überlegen, sein Teleskop so auszuwählen, wie es für dieses Spezialgebiet sinnvoll ist.
Zunächst möchte ich die gängigsten Typen für Kometensucher vorstellen und im Anschluß noch einige Tips für die systematische Kometenjagd, d.h. das Suchen nach bisher unentdeckten Kometen, geben. Alles, was jetzt folgt, soll nur ein Leitfaden sein und niemand soll sich gezwungen fühlen, stur nach Schema F vorzugehen, denn für einen Erfolg bei der Kometenjagd ist theoretisch alles möglich.

Das Instrumentarium

Refraktoren

Der klassische Kometensucher ist der kurzbrennweitige Refraktor. In Verbindung mit einer geringen Vergrößerung (20 bis 30fach) liefern solche Geräte ein großes Gesichtsfeld am Himmel - bis zu 5° - was für die Kometensuche benötigt wird.
In letzter Zeit sind derartige Teleskope sehr in Mode gekommen, da sie als chinesische Massenware sehr günstig angeboten werden. Gängige Abmessungen sind 80/400 mm (öffnung/Brennweite), 102/500 mm, 120/600 mm und 150/750 mm - allesamt also f/5-Refreaktoren. Abweichende Bauformen in f/6 gibt es auch: Vixen, Baader z.B.
An Vergrößerungen würde ich persönlich nicht mehr als 5 mm Austrittspupille (AP) einsetzen wollen, denn sehr oft gibt der Himmel nicht mehr her. Das sind in den o.g. Fällen Vergrößerungen von 16x (80 mm öffnung) bis 30x (150 mm) minimal - höher vergrößern kann ja jeder, wie es ihm/ihr Spaß macht. ;-)

"Kometen-Stuhl" um 1890

Reflektoren

Roy Panther mit seinem 8" f/4-Kometensucher Hier lohnt sich m.E. der Einstieg mit einer 6"-Newton-Optik (f/5) - das sind 150 mm öffnung bei 750 mm Brennweite. Vorteil: Diese Geräte sind preisgünstiger als ein gleichgroßer Refraktor. Besonders verbreitet sind in letzter Zeit die Dobsons mit 8" (203 mm) Spiegeldurchmesser, die schon ab 400 Euro zu bekommen und durchweg serienmäßig mit 2"-Okularauszug ausgerüstet sind. Hier kann man Okulare mit extremen Gesichtsfeldern einsetzen, besonders gut geeignet sind Erfle mit ca. 70° Eigengesichtsfeld. Rechenbeispiel: Eine solche Lichtkanone mit einem Meter Brennweite liefert mit einem 32 mm Okular (70°) eine 31fache Vergrößerung bei einer AP von 6,5 mm und einem tatsächlichen Gesichtsfeld am Himmel von 2¼°! Damit kann man schon einiges anfangen, falls der Himmel sehr dunkel ist. ;-)

Es gibt auch Newtons mit einem öffnungsverhältnis von f/4 - vorwiegend in der 8"-Klasse, also mit 800 mm Brennweite. Bei diesen Geräten gibt es zwei kleinere Sachen zu bedenken: Der Fangspiegel, der bei jedem Newton im Strahlengang sitzt, wird hier schon recht groß im Verhältnis zur Gesamtöffnung. Das macht sich dann schon im visuellen Bild bemerkbar. Außerdem zeigt so eine Optik eine starke Koma-Erscheinung, d.h. die Sterne deformieren zum Rand hin immer mehr als in der Bildmitte. Abhilfe schaffen da entweder Koma-Korrektoren (wie z.B. im Vixen 200SS) oder speziell dafür ausgelegte, unbezahlbare Okulare. Ob einem diese Investition das wert ist, muß jeder selbst wissen.
Unter den erfolgreichen Kometenjägern ist die Newton-Optik mit 8" jedenfalls sehr verbreitet.

Ferngläser

Nur kurz, denn hier gilt: Je größer, desto besser. 4 bis 6 mm AP sind m.E. gut geeignet (10x50, 12x60, 16x70, 20x80 usw.). Natürlich muß man für solche Optiken schon ein stabiles Fotostativ besitzen, um das Glas drauf festzusschnallen. Bei größeren Horizonthöhen wird der gerade Einblick zunehmend lästig, da die Sache dann schnell mit Genickschmerzen endet. Spezielle Optiken mit 45°- oder 90°-Einblick sind dann wieder verhältnismäßig teuer.
Ein kleiner Nachteil: Man ist meist nur auf eine Vergrößerung festgelegt. Bei den Fernrohren kann man Okulare wechseln, wie man lustig ist. Großer Vorteil allerdings: Ferngläser liefern ein seitenrichtiges und aufrechtes Bild (gut zur Orientierung am Himmel) und der Einblick erfolgt beidäugig. Letzteres wäre bei einem Teleskop nur mit einem ziemlichen Kostenaufwand zur realisieren (Bino-Ansatz).

Montierung

Prinzipiell ist alles einsetzbar, was man gerade hat, doch in der Kometenjäger-Szene hat sich die sogenannte Alt-Az-Montierung (einfach: links-rechts-hoch-runter :-) ) durchgesetzt. Das kann entweder das eigene Fotostativ, die Dobson- oder eine selbstgebaute einfache Gabel-Montierung sein.


Kometenjagd

Einen bereits entdeckten Kometen am Himmel aufzufinden, ist nicht übermäßig schwierig, wenn er für die eingesetzten Gerätschaften hell genug ist. Entweder man gibt die entsprechenden Bahndaten in sein Lieblings-Astroprogramm ein und druckt sich eine Aufsuchkarte aus oder notiert sich die Alt-Az-Werte (Höhen- und Richtungsangaben) für genaue Zeiten. Dann läßt sich der Komet leicht einstellen. Besonders mit einer alt-azimutalen Montierung klappt das hervorragend. Die Himmelsrichtung bestimmt man mit einem Kompaß (grobe Einstellung reicht) und für die Horizonthöhe gibt es als tolles Hilfsmittel sehr günstige Neigungsmesser im Baumarkt. Im Set mit einigen Wasserwaagen (auch sehr nützlich!) ist man mit weniger als 5 Euro dabei. Zur Not hilft auch das altbewährte Geo-Dreieck plus Wasserwaage.

Die "echte" Kometenjagd - d.h. das Aufspüren von bisher unbekannten Kometen - erfordert da schon wesentlich mehr Geduld und Ausrüstung.
Die beste "Suchzeit" ist am mondlosen (!) Himmel nach Ende oder vor Anfang der Dämmerung. Die erfahrenen Kometenjäger durchsuchen das Gebiet möglichst nahe zur Sonne in einem Winkelabstand von ca. 30° bis 90°, denn hier ist erfahrungsgemäß die Chance am höchsten, auf einen neuen Kometen zu stoßen. Nach den bisherigen Erfolgen haben neu gefundene Kometen eine Auffindehelligkeit von etwa +9 bis +11 m - manche heller, viele weniger hell...

Bei der Suche zeigt sich der Vorteil der alt-azimutalen Montierung: Man sucht den Himmel parallel zum Horizont "in Streifen" ab und setzt dann nach jedem langsamen Durchlauf das Teleskop um das halbe Gesichtsfeld nach oben oder unten ("Rasenmäher-Methode"). So kann man bequem ein recht großes Gebiet durchforsten. So eine Suche braucht man auch nicht jeden Tag durchzuführen - es reicht normalerweisen, wenn man alle paar Tage mal auf die Pirsch geht. Natürlich kann man sich auch jeden x-beliebigen Himmelsausschnitt vornehmen, nur hier ist die Wahrscheinlichkeit, einen Kometen zu entdecken, sehr viel geringer.

Zur Identifikation eines Objektes braucht man dann noch einen guten Himmelsatlas. Den "SkyAtlas 2000.0" (Tirion) halte ich für sehr brauchbar. Wenn man also auf etwas Unbekanntes stößt, bitte nicht gleich an die Decke springen, denn ziemlich sicher handelt es sich um ein Deep-Sky-Objekt (Galaxie, Sternhaufen, Gasnebel) oder einen früher aufgefundenen Kometen. Die Himmelsgegend, in der man fündig geworden ist, sollte man also sehr genau und kritisch mit dem Atlas abgleichen! Das sicherste Zeichen, daß man eine Kometenwolke entdeckt hat, ist deren Bewegung gegenüber den Hintergrundsternen. Da sollte man sich also schon absolut sicher sein, daß das Objekt eins ist, was an die entsprechende Stelle nicht hingehört. 95% aller der IAU gemeldeten vermeindlichen "Neuentdeckungen" sind Verwechslungen mit bereits bekannten Objekten!

Ein unbekanntes Objekt sollte einen Tag später nochmals kontrolliert werden, um eine Bewegung bzw. die Bewegungsrichtung gegenüber den Sternen zu erkennen. Dazu empfiehlt es sich logischerweise, das Objekt so genau wie möglich in eine Sternkarte einzutragen. Wenn das Objekt dann noch verdächtig erscheint, kann man sich freuen und sollte seine Sichtung mit genauen Daten über Position zur genauen Zeit (UT!), Bewegungsrichtung und -geschwindigkeit, geschätzter Helligkeit und Größe, eigenem Standort, Namen, Adresse, eMail, Telefon und Daten des verwendeten Teleskops (öffnung, Vergrößerung, Typ) an die IAU (eMail: cbat@cfa.harvard.edu) melden.

Man sollte sich aber nicht wundern, wenn die Verantwortlichen dort besonders bei ihnen unbekannten Leuten sehr skeptisch reagieren - je detaillierter also die Meldung, umso besser. Die IAU-Verantwortlichen geben diese Aufsuchdaten an erfahrene Astronomen weiter und bitten um Bestätigung und genaue Positionsbestimmung. Es ist also bei einer solchen Meldung immer im Hinterkopf zu behalten, was für Hebel damit in Bewegung gesetzt werden könnten. Also bitte keine Schnellschüsse in Richtung IAU!

Erfolgt von deren Seite nach Stunden oder wenigen Tagen eine Bestätigung über die Neuentdeckung und ist man unter den beiden Ersten, die ein solches neues Objekt gesichtet haben, dann kann man jubeln! :-) Der neue Komet wird den Namen des Entdeckers tragen...

Bis es allerdings soweit ist, kann es mitunter sehr lange dauern. Eine Faustregel unter Kometenjägern sagt, daß bis zu einer eigenen Erstentdeckung 400 (!) Stunden Beobachtungszeit vergehen! Jeder weitere neue Komet braucht dann "nur noch" im Schnitt 200 Stunden... Man braucht sich von solchen Zahlen nicht abschrecken zu lassen - es gibt genügend Beispiele, wo Beobachter Zufallsentdeckungen gemacht haben und das eigentliche Ziel nicht die Kometenjagd sondern eine ganz normale Himmelsbeobachtung war.

Weitere Informationen auf Englisch zum Thema "Habe ich einen Kometen entdeckt und was mache ich dann - wie und wo melde ich das?" hat die IAU hier zusammengestellt.


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