Amateur-Kometenjäger


...einige Leute, die bereits Erfolg hatten...

Ich finde es immer wieder erfreulich, wenn Hobby-Astronomen einen Kometen entdecken. In den Zeiten, wo professionelle automatische Kameras ständig den Himmel abgrasen, haben Amateure mit visuellen Mitteln immer weniger Chancen, einen Kometen zu entdecken.
Aber es kommt doch vor, zwar selten, aber immerhin. Besonders die Beobachter auf der Südhalbkugel sind (noch) im Vorteil, denn dort greift die automatische Himmelsüberwachung zum Glück noch nicht. Bei Kometen, die in der Dämmerung aufgespürt werden, hat man immer eine gewisse Erfolgschance, weil dort die Kameras nicht beobachten können.

Hier nun einige "Entdecker-Storys" und Bilder von bisher erfolgreichen Hobby-Astronomen der letzten Zeit, die sich entweder auf die Kometensuche spezialisiert haben oder einfach nur Glück mit einer Zufallsentdeckung hatten.


Y. Hyakutake Die japanischen Kometenbeobachter werden recht häufig fündig. Ihr Instrumentarium ist oft ein großer Feldstecher. Auf dem Bild ist Yuji Hyakutake (1950-2002) zu sehen, der zwei Kometen entdeckte, darunter den berühmteren C/1996 B2, den man in Europa bestens bei seiner Himmelsnordpol-Passage beobachten konnte.
S. Utsunomiya Mehrfach erfolgreich war bisher auch Syogo Utsunomiya, geb. 1956, (C/1997 T1, C/2000 W1, C/2002 F1), der ein baugleiches Fernglas einsetzt..
S. Murakami Bisher hat Shigeki Murakami (geb. 1962) visuell zwei Kometen mit seinem selbstgebauten 18"-Dobson entdeckt: Zusammen mit dem US-Amerikaner Snyder im März 2002 den Kometen C/2002 E2 Snyder-Murakami, Anfang November 2010 dann zusammen mit seinem Landsmann Ikeya (s.u.) den Kometen P/2010 V1 Ikeya-Murakami.

Murakamis Homepage mit den Entdeckungsgeschichten.

K. Ikeya D. Zhang.
Eine Ausnahme scheint mir der Japaner Kaoru Ikeya (geb. 1943, li.) zu sein, der mit einem zehnzölligen Newton auf die Pirsch geht. Er hat bereits Anfang bis Mitte der 60er Jahre fünf Kometen entdeckt, der auffälligste darunter war C/1965 S1 Ikeya-Seki - ein sogenannter "Tageslicht-Komet", der in Sonnennähe sogar tagsüber zu sehen war. Der seinerzeit knapp 60jährige Ikeya hat dann am 1. Februar 2002 nach 36 Jahren Pause wieder einen auffälligen Kometen aufgefunden.

über acht Jahre später, Anfang November 2010, entdeckte Ikeya zeitgleich mit seinem japanischen Kollegen Murakami einen Kometen 8. Helligkeit visuell am Morgenhimmel (P/2010 V1 Ikeya-Murakami). Es war die siebte Entdeckung für Ikeya, die zweite für Murakami.

Der Co-Entdecker von 2002 Daqing Zhang aus der VR China (re.) stöberte C/2002 C1 (= 153P/Ikeya-Zhang) mit einem selbstgebauten achtzölligen Newton auf. Er ist übrigens der erste chinesische Amateur-Kometenentdecker überhaupt.


Die zweite große Gruppe der Glücklichen stammt aus Australien und Neuseeland. Am erfolgreichsten mit 18 Entdeckungen ist Bill Bradfield (1927-2014), der hauptsächlich von Anfang der 70er bis Mitte der 90er Jahre seine Beobachtungen machte und 2004 mit 76 Jahren noch seinen 18. Kometen (C/2004 F4) entdeckte. Keinen seiner Kometen mußte er mit einem Co-Entdecker teilen und alle Kometen entdeckte er rein visuell.
Im WWW findet man so einige der spannenden Entdecker-Storys, z.B. von Steven Lee (C/1999 H1), Justin Tilbrook (C/1997 O1, C/1999 A1) und Vello Tabur (C/1996 Q1, C/1997 N1, C/2003 T3). Sehr interessant zu lesen, was so eine Kometenentdeckung für eine Aufregung produzieren kann. :-)

Bill Bradfield Steven Lee Justin Tilbrook

Albert Jones Praktisch "gleich nebenan" - in Neuseeland - wohnte ein erfahrener Beobachter variabler Sterne (über 300.000 Beobachtungen in 50 Jahren), Albert Jones (1920-2013). Als 80jähriger fand er zufällig eine Woche nach dem Japaner Utsonomiya "seinen" zweiten Kometen mit einer 80 mm-Optik (der Sucher an seinem Newton?). Den ersten Erfolg hatte Jones bereits 1946! Die Entdeckung von C/2000 W1 bescherte den beiden u.a. auch je zur Hälfte den mit 20.000 US-Dollar ausgeschriebenen "Edgar-Wilson-Award 2001", denn im Vergabezeitraum war dieser Komet der Einzige, der von Amateuren gefunden wurde. Jones hält den momentanen Altersrekord unter den Kometenentdeckern.

Vance Petriew mit Nachwuchs Auch der Kanadier Vance Petriew (P/2001 Q2) hat ein Eisen im Feuer. Er beobachtete auf einem Teleskoptreffen im August 2001 mit seinem gerade neuerstandenen 50-cm-Dobson die Gegend im Stier, als er über ein "nebeliges Etwas" stolperte. Seine Entdeckungsgeschichte kann man hier nachlesen. Es geht das Gerücht, daß Vance eigentlich M1 sehen wollte und sich dabei "leicht verfahren" hat, weil er am falschen Stern suchte - kann passieren... ;-)
Für seine Entdeckung erhielt Vance zusammen mit sechs anderen Amateur-Kometenentdeckern den Edgar-Wilson-Award 2002.

Don Machholz an seinem 6"-Newton Donald E. Machholz (Ca., USA) ist schon seit 1978 "im Geschäft" und entdeckte bis Ende 1994 neun Kometen - die letzten drei innerhalb von nur vier Monaten! Nach fast zehn Jahren des Suchens gelang ihm Ende August 2004 wieder eine Neuentdeckung (C/2004 Q2). Diesen Kometen fand er visuell mit einem 6" f/8-Newton (Baujahr 1968, erste Verspiegelung!) am Morgenhimmel bei 30facher Vergrößerung.

Bemerkenswert: Dieser Komet tauchte schon ein gutes Vierteljahr vorher in Aufnahmen des Kometen C/2002 T7 LINEAR auf, wo er von mehreren Beobachtern seinerzeit nicht bemerkt wurde. Im Mai 2004 hatte T7 die größte Helligkeit, wurde dementsprechend oft von der Südhalbkugel aus aufgenommen und der spätere Komet Q2 befand sich etwa +12 m hell in der Nähe des T7-Schweifes, wie nachträgliche Recherchen ergaben. Somit war diese Kometenentdeckung für Don Machholz ein echter Glücksfall, als er das Objekt 11. Helligkeit in seinem Newton bemerkte.

Machholz entdeckte in den Morgenstunden des 23. und 26. März 2010 seinen 11. Kometen im Sternbild Pegasus (C/2010 F4), diesmal mit einem 18,5"-Teleskop - aber wiederum rein visuell.


Ein wenig frustriert von den Leistungen deutscher Kometenjäger schrieb ich noch Anfang 2002:
"In Europa tat sich bei Kometenentdeckungen in letzter Zeit ziemlich wenig und es ist schwer, im Web an gute Informationen darüber heranzukommen.
Besonders im deutschsprachigen Raum herrscht bei den visuellen Kometenentdeckern ein erschreckendes Bild. Mir ist gar nicht bekannt, wann der letzte Deutsche einen Kometen entdeckt hat. Eigentlich traurig, weil doch so viele Hobby-Astronomen in unserem Land hervorragend ausgestattet sind. Vielleicht scheinen andere Objekte am Himmel doch interessanter zu sein...?!"

S.F.Hönig Doch das hat sich nun geändert, als in der Nacht vom 21./22. Juli 2002 der 23jährige Sebastian Hönig aus Dossenheim (Nähe Heidelberg) beim Beobachten aus dem Odenwald heraus im Sternbild Pegasus einen Kometen entdeckte! :-) Sebastians Sichtung im 10" f/6,3 Schmidt-Cassegrain ist die erste visuelle Kometenentdeckung eines deutschen Amateurastronomen seit 1946. Es hat also 56 Jahre gedauert, bis mal wieder ein "Deutscher Komet" fällig war, den sämtliche automatisierten Suchprojekte übersehen hatten!
Sebastians visuelle Entdeckung war zufälliger Natur, obwohl das nicht sein erster Komet war, den er aufgefunden hatte. Bereits 20 Kometenentdeckungen auf Bildern des SOHO-Satelliten gingen bis dahin auf sein Konto.

Gerade das letzte Beispiel zeigt einmal wieder, daß es auch bei sub-optimalen Bedingungen in Mitteleuropa durchaus noch möglich ist Erfolg zu haben. Ich denke, man sollte sich nicht von der Kometenjagd abhalten lassen, wenn es einem Spaß macht und die Erfolgschancen hierzulande zugegebenermaßen sehr gering sind. Zufallsentdeckungen sind immer drin - Motto: Wer nicht sucht, der kann auch nix finden! :-)

In diesem Sinne: Viel Erfolg und Gute Jagd!


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