Kometen-Nomenklatur


...oder: Wie werden Kometen benannt?

Einige werden sich fragen, was Kometenbezeichnungen wie "C/2002 C1 Ikeya-Zhang" oder "1P/Halley" bedeuten und welches System bei der Namensvergabe dahintersteckt. Das soll hier nun erklärt werden.

Im August 1994 beschloß die Internationale Astronomische Union, kurz: IAU, welche alleinig für die Namensvergabe von Kometen zuständig ist, eine neue Art der Kometenbezeichnung vorzunehmen. Die vorherige Regelung war kompliziert und z.T. irreführend, so daß es zu dieser Reform kam.

Ein neu entdeckter Komet erhält als Bezeichnung die Jahreszahl seines Entdeckungstermins, gefolgt von einem Großbuchstaben, der angibt, in welchem "Halbmonat" er gefunden wurde. Dann folgt die Ziffer, mit der die in diesem Halbmonat neuentdeckten Kometen durchnummeriert werden. A steht für die Zeit vom 1.1. bis 15.1. - B somit 16.1. bis 31.1. usw. - bis Y, wobei "I" ausgespart wird.
Beispiel: "2002 C1" ist der erste Komet, der in der Zeit vom 1.2. bis 15.2.2002 entdeckt wurde.

Es kommen auch Bezeichnungen wie "WM1", "OG108" oder "SV74" im Namen vor. Diese Kometen sind meist durch Suchprojekte entdeckt worden, die eigentlich auf der Suche nach die Erdbahn kreuzenden Asteroiden sind. Hier ist die ursprüngliche Bezeichnung dann beibehalten worden, als sich der vermeindliche Asteroid dann doch als Komet herausstellte.

Vor der Jahreszahl steht ein Buchstabe, der angibt, um welche Art Komet es sich handelt. Möglich sind dabei diese Bezeichnungen:

  • C - der Komet besitzt eine Umlaufszeit von mehr als 200 Jahren - ein sogenannter "nichtperiodischer Komet".
  • P - Periodischer Komet, d.h. entweder: weniger als 200 Jahre Umlaufszeit, oder: die Rückkehr wurde mindestens einmal beobachtet.
    Wird ein solches Objekt entdeckt, wird das "P" vorangestellt, z.B. P/2001 Q2 Petriew.
    Erfolgt die zweite beobachtete Passage in Sonnennähe (Perihel), erhält der Kometenname vor dem Buchstaben eine laufende Nummer. Diese beginnt mit 1P/Halley. Der o.g. Komet Petriew erhielt übrigens nach seiner Wiederkehr Anfang 2007 die permanente Bezeichnung 185P/Petriew. Knapp 330 "nummerierte" periodische Kometen sind bekannt.
    In der Praxis der Namensdeklaration hat es sich seitens des Minor Planet Centers (MPC) eingebürgert, entsprechenden Kometen nur noch bei einer Umlaufzeit bis zu 30 Jahren den Buchsteben P zu geben. Das ist aber (noch) keine offizielle IAU-Regelung! (Info von Maik Meyer auf Astronomie.de, Dezember 2012)
  • D - Komet, der verlorenging, d.h. vorher vielleicht periodisch war, sich irgendwann in seiner Laufbahn auflöste oder sonstwie verschwunden ist.
    Beispiel: 3D/Biela - ein periodischer Komet mit knapp 7 Jahren Umlaufszeit, dessen Kern sich 1846 teilte und dessen Kometenrest sich ein paar Umläufe später völlig in einen Meteorschwarm auflöste.
  • X - Komet mit unbestimmbarer Bahn.
  • A - Objekt, das sich später als Asteroid herausstellte.

Zu guter Letzt wird der Erstentdecker einer alten Tradition folgend mit seinem Namen an diesem Kometen verewigt. Nach den Statuten der IAU sind bis zu drei Namen pro Komet möglich, solange die Entdeckung nicht via Internet veröffentlicht wurde. Die Regeln sind mittlerweile sehr eng gefaßt: Wer außerdem mehr als zwei Stunden (!) nach Erstsichtung denselben Kometen meldet, wird von der IAU nicht mehr mit Namen berücksichtigt.
IAU-Richtlinien zur Namensvergabe an Kometen

Sinngemäß wiedergegeben aus dem Kosmos Himmelsjahr 1997, S. 56, und mit Ergänzungen versehen.


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